
Ein Fund
Ich habe einen Fund gemacht.
Als vor zwei Jahren mein zweiter Sohn, Kai, als Partner in unsere Landpraxis eintrat, wollten er und sein älterer Bruder
Cornelius sich fortan in den Nachtdienst teilen. Ich hatte 53 Jahre Nachtdienst gemacht — 33 davon ganz allein, ohne
Ablösung — und war recht froh, von nun an durchschlafen zu können. Es bestand keine Notwendigkeit mehr für mich, in
dem unruhigen Doktorhaus zu wohnen, und so zogen wir aus dem großen Haus in eine kleinere Wohnung um. Jetzt hieß es,
uns von dem in vielen Jahren angesammelten Ballast zu befreien, und ich machte mich ans Sichten: Was wollten wir
behalten, was konnte man verschenken, was kam auf den Sperrmüll ?
Bei dieser Arbeit fand ich auf dem Speicher eine Kiste, in der meine Mutter meine allwöchentlichen Briefe, in dreizehn Jah
ren aus dem Busch geschrieben, aufbewahrt hatte. Über vierzig Jahre hatten sie den Dornröschenschlaf geschlafen!
Ich fing an zu lesen und war von meinen Erlebnissen (nicht von meiner Schreiberei!) so fasziniert, daß mir der Gedanke
kam, ich müßte ein Buch daraus machen.
Bevor ich jedoch daran gehe, diese Briefe - auszugsweise, versteht sich, denn sonst würden es zehn Bücher — für den Druck
fertigzumachen, muß ich erklären, daß sich alle meine Prognosen, die ich damals während meiner Tätigkeit im Busch
gestellt hatte, als falsch erwiesen haben. Ich bin diese Erklärung den Kolonisten schuldig, die mit unermüdlichem Fleiß
und zähem Beharrungsvermögen aus dieser öden Wildnis, die den Beinamen Grüne Hölle zu Recht verdient, eine blü
hende Oase gemacht haben.
Bei meiner Ankunft im Januar 1951 gab es im Gran Chaco..